Berdorf: Luxemburger Understatement

Serge: das ist der Exil-Luxemburger an der Freiburger und Berner Uni, Vagabund von Nebenberuf, Mann von Welt. Er befindet sich auf der Fels-Belagerungsrangliste im Jaun-Valley ganz weit oben. Seine oft wiederholten Rufe in die Talschaften, wonach in Luxemburg der beste Sandstein à la  Zitat “Red River Gorge” zu finden sei, blieb bei der Community lange ungehört oder hat höchstens für ein müdes Lächeln gereicht. Fünf Stunden hoch oder fünf Stunden runter? Keine Frage! Auf den luxemburgischen Bröselhaufen können wir getrost verzichten! So die allgemeine Meinung – und Serge’s Balzrufe hallen leider immer noch ungehört in den Wänden über Jaun und Charmey.

Grün…

Einige Jahre hat es gedauert bis Rahel und ich endlich das Ross gesattelt haben, um Serge und unsere artverwandten Bankerkollegen in Luxemburg zu besuchen.  Nach etwa 5.5 Stunden Fahrt ab Bern ist das verschlafene “Berdorf” erreicht – auch “Petite Suisse Luxembourgeoise” genannt – das kann ja nur ein schlechter Witz sein. Fels? Keine Spur. Sonne? Negativ. Nur Nebel. Am nächsten Tag haben wir uns dann trotzdem in den Wald im Müllerthal gewagt. Und sind aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen:

Wald und Überhänge.
Eindrücklich: Der Hauptsektor “Nikita”, mit Berdorfs schwerster Route: Nikita 8c.

Der Abstieg zu den Felsen erfolgt durch ein Labyrinth von Felsspalten, in denen ein Bierbauch mit Sicherheit stecken bleiben würde.

Durch enge Gassen sollst du gehen… Rahel in der Eingangspforte.

Serges 237. Versuch in “Herrmann Buhl” (8a+). Pic by Tommy Hardt.

Die Kletterei ist vom Feinsten: an Waben, Löchern und perfekt geformten Leisten geht es bis 30 Meter empor. Vor allem im sechsten und siebten Grad ist eine grosse Auswahl geboten. Eine Wanderung am zweiten Tag (weil Regen) hat uns vor Augen geführt: Das Potenzial im Müllerthal für Routen und Bouldern ist gigantisch gross, heute sind vielleicht 5% der Felsen erschlossen. Das hat allerdings auch seinen Grund: Die Kletteraktivität ist in Luxemburg zwecks Naturschutz auf ein paar Wände begrenzt. Das Klettergebiet beinhaltet jedoch die höchste Qualitätsdichte der Region, wie uns Serge versichert. Trotzdem soll es angeblich eine kleine Akkubohrer-Guerilla geben die abseits von abgetretenen Pfaden operiert. Nichts Genaues weiß man nicht 😉

Geregnet hat es eigentlich nicht oft. Und trotzdem war vieles “mudrig”.
Der Sektor Hermann Buhl mit den Kinglines “Bobby Brown” 7c und “Herrmann Buhl” 8a+.

Was wir (trotz Feuchtigkeit und Nässe) klettern konnten war allererste Sahne. Ich persönlich fand es mitunter den besten Fels, der mir je untergekommen ist. Jetzt wurde uns auch allmählich klar, weshalb Serge der Luxemburger regelmässig nach Hause verschwand – und lange nicht wiederkam.

Waben. Allerfeinste Waben.
Grandes Vacances ?!? Na ja, 6 Tage sind ganz o.k., aber….!
Griffformen wie…, wie…, wie wo?
Geschmeidig sind die Griffe in Berdorf.

Nun noch zu den Fäkts: Berdorf liegt ca. 40 Minuten östlich von Luxemburg oder 40 Minuten westlich von Trier (D). Eigentlich wäre ein “Climbing Permit” nötig, welches man online vom entsprechenden Ministerium nach Hause bestellen kann. “Kontrolliert wird man allerdings sehr selten”, meint dazu Serge entspannt.

Porträt des Autors.

Entspanntes Hanger-Life gibt es im Camping Maartbusch. Von diesem Camping sind es etwa 5 Minuten zum Fels. Beste Jahreszeit: Ich würde meinen März bis November, ausschliesslich die Wochenenden. 

Routentipps: Im offiziellen Kletterführer (für 18 Euro auf dem Camping erhältlich) sind die Routen mit Sternchen bewertet. Die Drei-Sterne-Routen sind weltklasse oder sogar universumsklasse, doch auch der Rest ist absolut top.

Das Luxemburgische Understatement hat in Sachen Klettern zugeschlagen! Berdorf ist grossartig. Und wir werden wiederkommen!! Danke Serge für die Infos, die Fotos und das Versprechen, dass es hier bald noch mehr zu klettern gibt.

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